Keidelheim - ein Dorf, mitten im Hunsrueck (Geschichte)

Zur Geschichte des Dorfes

Keidelheim (Kudelnheim) wird zum ersten Mal im Zinsregister des Grafen von Sponheim erwähnt (1330/35). Das Register führt eine Reihe gräflicher Steuern und Zinsen auf, u.a. den Seelenzins, die Kopfsteuer und den Zehnten.

Eine weitere Aufstellung der Zinsen um 1400 verzeichnet die ersten Einwohner von Keidelheim (Kudillenheim). Die Kloster- herrschaft über Keidelheim endete 1566 mit der Aufhebung des Augustiner-chorherrenstifts Ravengiersburg. Das Herzogtum Simmern kam als Oberamt an Kurpfalz. Damit waren die Kurfürsten in Heidelberg die neuen Landesherren. In den folgenden 120 Jahren mit vielen Kriegen, Mißernten und Seuchen wurde das Land schwer mitgenommen. Die Ortschaften Nannhausen, Fronhofen, Biebern, Reich, Wüschheim, Eichkülz und Keidelheim bildeten in der kurpfälzischen Zeit eine Schultheißerei. 1683 war Michel Huth aus Keidelheim der Schultheiß.

Am 19. Oktober 1794 marschierten französische Truppen in Simmern ein und machten der kurpfälzischen Herrschaft ein Ende. Die Erbuntertänigkeit mit den Frondiensten für den Grundherren und der Zehnte waren jetzt abgeschafft, aber nun lasteten die für das französische Heer zu leistenden Fronarbeiten noch drückender auf der Bevölkerung. Die offizielle Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich im Jahre 1797 führte zu einer Neugliederung der Verwaltung. Der Adel verlor seinen Besitz, Kirchen und Klöster wurden enteignet und die Güter konnten von den bisherigen Pächtern als Eigentum erworben werden. Keidelheim kam mit 12 anderen Orten zur Mairie Simmern im Kanton Simmern und war damit Teil des Departements Rhein und Mosel mit der Hauptstadt Koblenz. Als französische Bürger wurden die jungen Männer jetzt zum Militärdienst verpflichtet.Mit der Niederlage Napoleons in Rußland begann eine Zeit in der Österreicher, Russen, Bayern und Preußen das Land mit Fronarbeiten und Einquartierungslasten belegten. Zunächst wurde das Gebiet von einer österreichisch-bayerischen Administrationskommission verwaltet. In einer statistischen Erhebung von 1813 wird für Keidelheim notiert: 114 Seelen, 25 Häuser und 25 Fenster.

Am 28. Mai 1815 übernahmen die Preußen das linksrheinische Gebiet. Aus dem Arrondissement Simmern wurde der Kreis Simmern.Die Gemeinde Keidelheim kam zur Bürgermeisterei Simmern und daran hat sich bis heute nichts geändert. Trotz fortschrittlicher preußischer Maßnahmen in der Landwirtschaft und dem Straßenbau führten Mißernten und ein rascher Bevölkerungsanstieg zu zunehmender Verarmung. Die Gemeinden mußten Maßnahmen ergreifen um die Einwohner vor dem Verhungern zu retten. Viele Bürger wanderten nach Amerika aus.

Nach 1900 setzte eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ein, die allerdings durch den Beginn des ersten Weltkrieges 1914 eine jähe Unterbrechung fand. Als der Krieg 1918 zu Ende war, wurde das linke Rheinufer wiederum von französischen Truppen besetzt. Es folgte eine schwere Zeit mit einer rapide zunehmenden Geldentwertung. 1913 entsprachen 4,20 Mark einem Dollar, 1918 waren es 6 Mark, im September 1923 waren es 98.200.000 Mark und zwei Monate später 4.200.000.000.000 Mark.

Die Zeit des Nationalsozialismus brachte einen weltanschaulichen und kommunalpolitischen Umschwung mit sich, der auch Keidelheim erfasste, das zusammen mit Kümbdchen die entsprechenden Ortsgruppen der Partei gründete. Der zweite Weltkrieg setzte dem Treiben bald wieder ein Ende. Am 15. März 1945 nahmen die Amerikaner Simmern ein. Am Tag danach kamen sie nach Keidelheim. Das Dorf wurde besetzt und die Bewohner mußten ihre Häuser räumen. Am 10. Juli 1945 lösten die Franzosen die Amerikaner ab. Auf den Landwirten des Hunsrücks lasteten die immer wieder von neuem festgesetzten Auflagen, Abgaben und Requisitionen. Der strenge Winter 1946/47 und der Dürresommer 1947 brachten die französische Zone erneut an den Rand einer Hungerkatastrophe. Zu Ende des Jahres 1945 ließ man in den drei Westzonen wieder Gewerkschaften und politische Parteien zu. Die erste Gemeinderatswahl fand am 15.9.1946 statt. Mit der Währungsreform und einer unerwartet guten Ernte 1948, sowie der Marshallhilfe, kam es endlich zum großen Durchbruch.

In den 50er Jahren beginnt der Strukturwandel in der Landwirtschaft, der in der Flurbereinigung Kümbdchen-Keidelheim mündet. 1961-63 erhält das Dorf eine neue Wasserleitung und die Kanalisation. 1962/63 wird durch den Schulverband Kümbdchen/Keidelheim die neue Schule errichtet. 1967 lehnt der Gemeinderat den Zusammenschluß der Gemeinden Kümbdchen und Keidelheim zu einer Gemeinde ab. Durch die letzte Verwaltungsreform vom 7. Juni 1969 wurde der Landkreis Simmern aufgelöst und mit Teilen der Landkreise St.Goar und Zell zum neuen Rhein-Hunsrück-Kreis zusammengefaßt. 1972 beginnt Keidelheim mit dem Bebauungsplan "Im Schneebäcker" die Ausweitung des Dorfes mit dem ersten Neubaugebiet. Es folgen weitere Neubaugebiete. 2011 wird eine weitere Flurbereinigung durchgeführt.